Real oder Fake | Was sind günstige Fashion-Alternativen?

Je länger man sich in der Modewelt herumtreibt und sich mit der Komplexität derer auseinandersetzt, desto mehr wird man in die Preis-Trend-Spirale (diesen Begriff habe ich mir mal spontan ausgedacht) gezogen. Das klassische „Angebot und Nachfrage“-Modul greift schon lange nicht mehr für die Mode. Trends werden heutzutage nicht mehr allein durch die Fashionweeks und die Modedesigner geschaffen, sondern verstärkt durch Stars und Sternchen. Diese fungieren dann als klassische Influencer und bestimmen neben den Trends, auch die Nachfrage, die Preise und die Kombinationsmöglichkeiten. So muss beispielsweise ein Musiker/Rapper, Schauspieler, Model oder Sportler kein Modedesigner sein, um mit seiner Bekanntheit Modetrends zu definieren. Egal ob der eigene Style, die eigene Kollektion oder die Kooperation mit anderen Marken, die Stars leben uns vor was der Trend von Morgen sein könnte bzw. ist. Die Bekanntheit ist dabei direkt proportional zur Nachfrage und hat somit auch eine starke Wirkung auf den Preis. Oft spielen dabei nicht mal die ursprünglichen Verkaufspreise eine Rolle, sondern eher die Reseller-Preise, die dank der Limitierung der Ware entstehen. Oftmals sind diese das 2-10fache des Ausgangspreises. Dabei ist die Qualität der Produkte in erster Linie völlig nebensächlich. Sind wir mal ehrlich: Warum wollen wir Yeezys, Off-White x Nikes, Jordans, Supreme uvm.? Sicher nicht, weil es von so atemberaubender Qualität zeugt. Nein, wir wollen es, weil große Stars sie entworfen haben, die Pieces sehr limitiert sind und sie zurzeit gehyped werden. Spätestens beim Preis stellt man sich dann eventuell die Frage: Was rechtfertigt diese hohen Retail- und/oder Reseller-Preise überhaupt und warum bezahlen wir sie leichtfertig? Meine Kaufbereitschaft rechtfertigt sich zu 70% aus der Idee und das kreative Mindset des Desingers und 20% aus dem Hype. Erst die restlichen 10% würdige ich dann der Frage nach der Qualität. Die Erörterung und Debatten über Preise, Qualität etc. würde mehrere Blogposts füllen, aber das soll nicht das Thema in diesem sein. Meine Einleitung soll nur die Wichtigkeit des gesamten Preissegments verdeutlichen. Fakt ist; Design, Aussehen und der Hype sind oftmals wichtiger als die Qualität etc. bei heutigen Kaufentscheidungen. Je größer der Hype, je seltener das Design oder je cooler das Aussehen, desto höher ist meistens der Retail- bzw. Resellpreis. Nicht jeder kann sich jedoch diese Preise leisten und sucht nach einem anderen Lösungsweg. Das ist auch der Grund, warum ein riesiger Markt an Falsch-, UA- und Replica-Ware parallel zur Modewelt existiert und exponentiell wächst. Meine Meinung zu besagten Fakes etc. habe ich unter anderem in einem Debattiergang erzählt (Video findest du hier). Was macht man nun, wenn der Geldbeutel nicht jedes Designerstück erlaubt und man konsequent gegen Fakes ist? Die Lösung scheinen dann günstigere Alternativen zu sein. Aber wo ist jetzt der Unterschied zwischen einer Fälschung und einer günstigen ähnlichen Alternative? Wo ist die Grenze von Alternativen zu Fälschungen? Sind Fälschungen nicht auch irgendwo günstigere ähnliche Alternativen? Wer sagt, dass das teurere Teil automatisch das Original sein muss?

Fragen über Fragen, die ich mir auch selbst gestellt habe, als ich meinen Kleiderschrank durchforstet habe. In diesem Zusammenhang habe ich drei Outfits kreiert, die rein aus Alternativen bestehen.

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Auf den ersten Blick sind diese Outfits völlig normale Kombinationen, wie ich es gern im Alltag trage und abgesehen von den Schuhen und dem Shirt, erkennt man keine großen Logos, Prints oder Markenzeichen. Und genau da ist der springende Punkt. Die heutige Modegesellschaft lebt nach dem Gedanken: Kaufe ich ein Markenprodukt mit Logo für einen sehr günstigen Preis ist es eine Fälschung, kaufe ich jedoch ein Produkt ohne Kennzeichnung, nur mit einem ähnlichen Design, bei einer anderen Marke ist es eine Alternative. Vorab möchte ich gern klarstellen, dass ich nichts gegen Alternativen habe und sie auch selbst rocke (wie in den Outfits ersichtlich), jedoch ist mir erst seit diesem Post richtig bewusst geworden, wie engstirnig doch das ganze Thema von mir und vielen Anderen betrachtet wurde. Wir wissen selbst nicht wo wir die Grenze setzen und scheinbar gibt es klare ungeschriebene Gesetzte, die uns suggerieren was wir genau wann zu denken haben. Um genauer darauf einzugehen habe ich die Kleidungsstücke von meinen obigen Outfits mal gegenüber gestellt und lasse diese mal auf euch wirken:

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Links: Das Hemd habe ich im Rahmen einer Kooperation von SMJ-Style bekommen, ein bekannter deutscher Styleshop den ein Influencer selbst gegründet hat. Preis liegt circa bei 80€.

Rechts: Das Hemd ist von Fear of God, die amerikanische Designer Marke von Jerry Lorenzo. Preis liegt bei 504€.

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Links: Die Hose habe ich mir von der amerikanischen Marke DSRCV gekauft. Preis liegt bei 67€.

Rechts: Die Hose ist von Fear of God, der amerikanischen Designer Marke von Jerry Lorenzo. Preis liegt bei circa 300€.

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Links: Das Shirt habe ich bei Bershka gekauft. Preis liegt bei 9,99€.

Rechts: Das Shirt ist von Palm Angels, ein Mailänder Modelabel. Preis liegt circa bei 250€.

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Links: Mein Shirt hab ich im Rahmen einer Kooperation mit dem deutschen Modelabel FAVELA bekommen. Preis liegt bei circa 35€.

Rechts: Das ist das Tourmerchandis-Shirt von Metallica. Preis liegt dank limitierter Auflage und dem Alter bei circa 100-200€.

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Links: Meine Jogger habe ich von H&M. Preis liegt bei 14,99€

Rechts: Die Jogger ist von Fear of God, der amerikanischen Designer Marke von Jerry Lorenzo. Preis liegt bei circa 300€

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Links: Mein Hoodie habe ich im Rahmen der Kooperation mit der amerikanischen Modemarke MNML bekommen. Der Preis liegt bei circa 35€.

Rechts: Der Hoodie ist von Fear of God, der amerikanischen Designer Marke von Jerry Lorenzo. Preis liegt circa bei 550€.

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Links: Meine Hose habe ich auch von der amerikanischen Modemarke MNML bekommen. Preis dafür liegt bei umgerechnet 50€.

Rechts: Die Hose ist von Fear of God, der amerikanischen Designer Marke von Jerry Lorenzo. Preis liegt circa bei 950€.

 

Nach dieser Gegenüberstellung stellen sich mir so einige Fragen. Trage ich jetzt im Grunde Fakes oder wirkliche Alternativen? Verkaufen andere Marken somit offiziell Fälschungen? Sagt eigentlich nur der teurere Preis und die Bekanntheit einer Person aus, dass es sich um das Originalprodukt handelt? Wenn der Designer und die Alternativ-Marke in der selben Fabrik in Asien produzieren, wo ist dann der Unterschied zwischen Real und Fake? Wer hatte das Design zu erst, der berühmte Designer oder vielleicht dich kleine unbekannte Marke? Was wäre wenn die berühmte Person, Styles und Ideen geklaut hat? Wurden bei kopierten Motive nicht eigentlich Motivrechte/Bildrechte verletzt oder ist es dann doch keine Fälschung, wenn man die Bildrechte legal erworben hat? Also könnte ich theoretisch Lizenzen kaufen, um dann legal Fälschungen weiter zu verkaufen? Diese Fragen könnte ich noch ins unendliche ausbauen und mir den Kopf zerbrechen. Ich bin ehrlich und genaue Antworten auf die Fragen habe ich nicht bzw. bin ich der Meinung, dass es auch keine eindeutigen Antworten gibt. Jeder hat zu diesem Thema eine andere Sichtweise und hält an einem anderen Standpunkt fest. Ich glaube wichtig ist, dass jeder für sich selbst entscheidet, wo er die Grenze in diesem Wirrwarr zwischen Fakes und Alternativen zieht. Ich persönlich wende mich konsequent gegen jegliche Markenfakes, wo Logos und unverkennbare Designs billig und oftmals schlechter kopiert wurden. Genau so finde ich direkten Gedankendiebstahl von Designer ein absolutes NoGo und werde dies auch nicht supporten (Bsp. Fake Yeezys, UA Nike x Off-White, gefälschte High Fashion Teile, wie Louis Vuitton, Gucci etc.). Unter Alternativen verstehe ich aber ähnliche Designs, Schnitte, Materialien, was natürlich auch ein eventueller Ideenraub sein könnte, ich es aber einfach nicht genau sagen könnte. Und wenn ich ehrlich bin, bei der Ähnlichkeit der Alternativen freut sich mein Geldbeutel zur Abwechslung, wenn ich den günstigeren Weg nehme. Und angenommen ich möchte eine Modemarke gründen: Man kann das Rad nicht neu erfinden. Es gibt so viele Schnitte, Muster, Farben und Formen, dass man immer irgend einem Konkurrenten ähnelt.

Abschließend kann ich nur noch mal betonen, in der Mode geht es nicht um den Preis eines Artikels. Die Höhe der Preise entscheidet auch nicht ob du jetzt besser oder schlechter bist. Ob du mehr Style hast oder nicht. Es kommt immer noch drauf an, was du aus den Kleidungsstücken machst. Modewelt ist für JEDEN. Die einen Leben sie, die anderen leben anteilnahmelos in ihr. Jeder auf seine spezielle Art und Weise. Die einzige große Regel im Fashiongame und natürlich allgemein im Leben lautet RESPEKT.

 

5 thoughts on “Real oder Fake | Was sind günstige Fashion-Alternativen?

  1. Cooler Text und super Inhalt hab mich direkt mal in den MNML Hoodie verliebt danke fürs influencen 👌🏽😄
    Übrigens find ich auch deine Outfits super
    Mach weiter so Philipp !

    1. Ja gern geschehen, der Hoodie ist auch der Hammer und eines meiner Lieblingsstücke. Danke schön, die Outfits waren wirklich willkürlich zusammen gewürfelt, aber selbst aus reinen Alternativen kann man einen coolen Style kreieren. Es muss nicht immer XXXX€ kosten 😊

  2. Bei mir hört „Alternative“ da auf, wo andere Leute denken, dass es sich bei dem Kleidungsstück um eine bestimmte high End Marke handelt. Aber wenn eine bestimmte Marke sich bei einer preislich höheren inspiriert aber noch etwas eigenes reinbringt sehe ich dort kein problem. Außerdem haben viele teureren Marken auch Sachen die es schon gab veröffentlicht zum Beispiel der maison margiela “ leave a message“ Schuh ist Im Grunde auch nur ein bundeswehrschuh

    1. Gebe ich dir völlig recht Emanuel. Die Frage ist ja auch ab wann denken die Leute es handelt sich eigentlich um ein Abklatsch einer bekannten High End Marke. Ist es auch nur ein Abklatsch, weil die Bekanntheit der High End Marke Marke größer ist und du es somit vergleichst?! Das Thema ist wirklich komplexer als man am Anfang denken mag, aber dein Beispiel von Maison Margiela ist ein sehr guter Beweis, dass nicht immer das Teurere die Originalidee sein muss!

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