ICH IRONIERE BIS ZUM SARKASMUS

Besser kann man einen Blogpost zum Thema Humor nicht starten und darüber hinaus sollte man sich sofort an das recht bodennahe Niveau gewöhnen. In diesem Blogpost möchte ich dieses Thema explizit ansprechen, da Humor ein sehr wichtiges Element in Partnerschaften, Freundschaften oder allgemeinen in zwischenmenschlichen Relationen darstellt. Doch was ist eigentlich genau Humor? Gibt es Humor-Klassifizierungen oder gar psychologische Zusammenhänge zwischen Humor und gewissen Ethnien? Welche Rolle spielen die kognitiven Fähigkeiten bei diesem Thema und wie definiert man nun guten oder schlechten Humor? Fragen über Fragen, die das unterbewusste Thema aus dem Alltag plötzlich in ein ganz anderes Licht rücken.

Beginnen wir mit der allgemeinen Definition, die man überall im Internet einsehen kann. Wer dabei aber genau hinschaut wird merken, dass die meisten Definitionen unterschiedlich sind und sich sogar oft widersprechen. Fakt ist: Humor kann man nicht so leicht beschreiben und somit auch nicht klar definieren. Man kann Humor aus vielen verschiedenen wissenschaftlichen und sozialen Blickwinkeln betrachten, was auf die große Vielfalt von Humor und Witzen zurückzuführen ist. Allgemein würde ich persönlich Humor als Umgang von gewissen Situationen mit einer soliden Gelassenheit bezeichnen. Diese Aussage schließt für mich jegliche Lebenslagen und verschiedene „Humorarten“ wie z.B. Wortwitze, Schadenfreude, Doppeldeutigkeit, Ironie, Sarkasmus, Hohn etc. mit ein. Bei einem lustigen Umgang mit verschiedensten Lebenslagen stellt sich die Frage, was man persönlich als lustig oder humorvoll bewertet und was nicht. Dies ist natürlich sehr Typ abhängig und wird beeinflusst durch das soziale Umfeld, die Erziehung und die eigene Persönlichkeit inkl. aller Interessen, dem eigenen Glauben, der Weltansichten und den Lebenszielen. Im Wesentlichen kann man drei Theorien verfolgen, die seit Jahrtausenden versuchen den Kern eines humorvollen Moments zu erfassen: Überlegenheits-Theorie, Inkongruenz-Theorie und Entladungs-Theorie.

Überlegenheits-Theorie

Lachst du über Missgeschicke oder über Unsicherheiten oder Tölpeleien Anderer? Dann trifft die Überlegenheitstheorie deine Art von Humor. Platon und Aristoteles beschrieb diese Art des Humors in einem Gespräch zwischen Sokrates und Protarchus: „Wenn wir also über das lachen, was an unseren Freunden lächerlich ist, so ergibt die Überlegung, dass wir Lust mit Neid und damit also die Lust mit Unlust mischen. Denn darüber sind wir uns schon lange einig, dass der Neid eine Unlust der Seele ist, das Lachen aber eine Lust und dass in diesen Fällen beide zusammen entstehen.“ Wie Räwel (2005) beschreibt, gingen Aristoteles und Platon davon aus, „dass eher die Schwachen und Machtlosen über die Herrschenden und Einflussreichen lachen […]“, also aus Unterlegenheit heraus. Hobbes hingegen sah im Lachen einen Ausdruck des Triumphes über die Schwächen des Gegenübers und nahm damit eine weitere Sichtweise ein und rundete damit die Überlegenheitstheorie ab.

Inkongruenz-Theorie

Nehmen wir an du findest Harald Schmidts Witz lustig: „Immer mehr unserer Soldaten leiden unter Fettleibigkeit! Es gibt dafür viele Ursachen: Warsteiner, Erdinger, Weihenstephaner, Paulaner…“ Schachtner (2008, S.496). Aus theoretischen Betrachtungen heraus lachen Sie über die Trennung zweier Ideen, welche in dem Witz oder der Situation ineinandergreifen. Kant (1977) geht hierbei auch von einer Widersinnigkeit als Quelle des Lachens aus: „Es muss in allem, was ein lebhaftes erschütterndes Lachen erringen soll, etwas Widersinniges sein (woran also der Verstand an sich kein Wohlgefallen finden kann). Das Lachen ist ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in nichts.“ Auch andere Philosophen wie Schopenhauer in seinem Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ oder Suls mit seinem Beitrag „Cognitive Process in Humor Application“, greifen die Widersinnigkeit als Grundlage des Humors auf und bestärken die Inkogruenztheroie.

Entladungstheorie

Lachst du etwa über Situationen wie diese: „Ein Verurteilter, der an einem Montag zum Galgen geführt wird und dies mit der Bemerkung ‚Die Woche fängt ja gut an’ quittiert“. Räwel (2005, S12). Versetzen wir uns in die Lage des Verurteilten mit eben diesem wir uns gedanklich nun vergleichen wollen und die Art des Humors zu erfassen. Freud (1905) würde das Problem die objektive Beziehung Humorist – Zuschauer auf das individuelle Subjekt übertragen, auf das Über-Ich und das Ich.  Wir erhalten eine dynamische Aufklärung der humoristischen Einstellung, wenn wir annehmen, sie bestehe darin, dass die Person des Humoristen den psychischen Akzent von ihrem Ich abgezogen und auf das Über-Ich verlegt habe. Diesem so geschwellten Über-Ich kann nun das Ich winzig klein erscheinen, dass seine Interessen geringfügig, und es mag dem Über-Ich bei dieser neuen Energieverteilung leicht werden, die Reaktionsmöglichkeiten des Ich zu unterdrücken.“ Die Befreiungstheorie die Spencer auch „Tension Management Theory“ nennt, basiert demnach auf humoristischer Lust um nervliche Energie abzubauen.

Nachdem man die Theorien sich angeschaut hat, wird jeder feststellen, klar zu trennen sind sie nicht. Situativ kann man immer wieder eine andere Theorie für seine Art Humor anwenden. Besonders einprägsam war für mich auch folgendes Szenario, der den Unterschied zwischen Männern und Frauen nicht nur humoristisch, sondern auch erwartungstechnisch drastisch darstellt.

  1. Eine Frau möchte, dass der Mann sie zum Lachen bringt.
  2. Ein Mann möchte, dass die Frau über seine Witze lacht.

Die einen oder anderen sehen in diesem beiden Aussagen keinen Unterschied, wenn man aber jetzt die Tiefenpsychologie von beiden Geschlechter betrachtet dürfte einem schon auffallen, wie wichtig ein ähnlicher Humor ist. Ich bin der Meinung Männer haben meistens einen flacheren, stumpferen Humor als Frauen und so resümiert der Widerspruch oder Konflikt zwischen der 1. und der 2. Aussage. Sind dann manchmal die kleinsten Unstimmigkeiten beim Humor ausschlaggebend für fehlende Sympathie? Scheitern Kennenlernen oder sogar Beziehungen daran, dass man über unterschiedliche Dinge lacht? Ich bin der Meinung; JA. Deswegen schreibe ich diese Zeilen, damit jeder sensibler mit dem Thema umgeht und offener darüber spricht. Versucht euren Humor bzw. eure Einstellung dazu einmal selbst zu reflektieren und ergründet, ob gewisse Antipathien zu Menschen in eurem Umfeld auf fehlenden oder unterschiedlichen Humor zurückzuführen sind?!

Ich finde das Thema mega interessant und könnte noch Stunden weiter debattieren und Beispiele aus meinem Leben nennen, wo ich selbst gemerkt habe, wie Humor mir zum Teil Türen öffnet, aber auch viele verschließt. Darüber hinaus gibt es weitere humoristische Einteilungen, wie Ironie, Sarkasmus, Zynismus, Satire und Parodie, auf die ich in einem zweiten Blogpost eingehen werde.

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