Dating 2.0 | Das Paradoxon Liebe im 21. Jahrhundert

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Nach meinem Blogpost „Generation Beziehungsunfähig“ wird es langsam Zeit für einen weiteren Post aus der Thematik. Viel Zeit ist vergangen, es ist einiges passiert und ich habe mich verändert. Aus diesem Grund ist es umso interessanter das Thema Liebe mal wieder unter die Lupe zu nehmen. In dem letzten Jahr habe ich viele neue, wichtige, aber auch unschöne Erfahrungen im Bereich Dating gemacht. Dadurch stelle ich mir immer mehr die Fragen; Was ist Dating heutzutage eigentlich noch? Wo beginnt es und wohin führt es? All diese Fragen und die persönliche Frage warum ich noch keinen Deckel für mich gefunden habe, versuche ich in diesem Blogpost zu erörtern.

In den letzten Monaten hat sich bei mir sehr viel verändert, neue Stadt, neuer Job, neues soziales Umfeld, hunderte neue Gesichter. Dresden ist ein riesiges Dorf und ich finde es toll, so viele Menschen in der kurzen Zeit kennen gelernt zu haben, in der ich nun hier bin. Viele davon sind enge Freunde geworden und sind nun ein wichtiger Teil in meinem Leben. Ich habe meinen absoluten Traumjob gefunden und es macht mir Spaß jeden Tag auf die Arbeit zu fahren oder auch mal Überstunden in Kauf zu nehmen. Die Stadt gefällt mir super und ich verliebe mich jedes Mal neu in meine Wohnung, wenn ich nach Hause komme. Alles in allem bin ich super zufrieden und habe die Baustelle Leben weites gehend im Griff. Leider nur ohne eine Frau an meiner Seite, mit der ich diese Erlebnisse, Erfolge oder auch mal Einsamkeit teilen könnte. Ich persönlich zähle mich nicht zu der „Generation Beziehungsunfähig“, sondern eher zu der „Generation (zu)Wählerisch“. Ich habe dank vielen positiven und negativen Erfahrungen im Umgang mit Frauen und Freundinnen gemerkt, worauf ich am meisten Wert lege und worauf ich liebend gern verzichten könnte.

Ist aber die äußerliche, charakterliche oder sexuelle Selektion Fluch und Segen zu gleich?

In meinen Augen, Ja. Segen im Sinne, dass ich aus Fehlern und Erfahrungen gelernt habe, reifer geworden bin und mich selbst gefunden habe. Genau zu definieren was man will, wohin man möchte und mit welchen Bedürfnissen man glücklich wird, ohne sich zu verstellen, ist ein echter Erfolg. Fluch jedoch im Sinne, dass viele meinen, die Ansprüche seien zu hoch, Kriterien zu utopisch und das Wählerische sei das Gift beim Dating. Aber warum? Ich bin mit meinen 25 Jahren vielleicht in manchen Augen noch sehr jung, in meinen Augen jedoch bereit für eine richtige ernste Beziehung. Ich brauche keine One Night Stands, Freundschaft Plus Affairen oder sinnlose oberflächliche Date-Marathons. Ich möchte etwas Richtiges aufbauen und meine Zeit sinnvoll investieren und dafür ist es keineswegs falsch nach gewissen Ansprüchen zu selektieren. So oft gehen Menschen zu schnell bzw. zu fahrlässig Bindungen ein, befinden sich dann oder allgemein unglücklich in Beziehungen oder rennen Jemanden hinterher, der sich nie nach ihnen umdrehen wird. Die Definition einer Beziehung hat sich in den letzten 5-10 Jahren sehr stark verändert. Die sozialen Netzwerke, in denen immer alles perfekt aussieht, sind die neue Plattform um eine Beziehung auszutragen. Tolle Momente werden in Stories geteilt, Liebesschwüre den Followern präsentiert und gemeinsame Fotos werden hochgeladen, um anderen zu zeigen, dass es nur die/den Eine(n) gibt. Doch die Wahrheit sieht in 95% der Fällen anders aus, die meisten exzessiven Liebesbeweise entstehen aus einem Streit heraus und sind ein oberflächlicher Versuch in Richtung Versöhnung oder die öffentlichen Liebesposts sind eine allgemeine Überspielung privater Probleme. Warum fangen wir an nicht nur uns, sondern auch andere zu belügen, dass wir glücklich seien? Wieso liegt uns das Gerede anderer, die evtl. mitbekommen könnten, dass es Probleme gibt, so am Herzen?

Weil wir DUMM SIND und wir Menschen Angst vor Veränderung haben. Ein Großteil der Frauen bleiben lieber unglücklich in einer Beziehung, als wieder Single zu sein und sich mit interessierten, nervigen (und meist schwanzgesteuerten) Single-Männern rumzuschlagen. Die Männer in einer unglücklichen Beziehung hingegen genießen lieber das Hotel Freundin und deren Service weiter, als wieder allein zu sein und alles selbst machen zu müssen. Männer und Frauen ticken da definitiv unterschiedlich, aber in die Thematik möchte ich jetzt nicht abschweifen. Geschlechtsunabhängig kann man aber sagen; Man geht lieber hundert weitere Kompromisse ein, um etwas aufrecht zu erhalten, was im Unterbewusstsein schon längst abgeschrieben ist, um bloß nichts zu verändern. Der Mensch ist und bleibt ein Gewohnheitstier. Aber betrachten wir mal nicht die ganzen Pärchen, die sich besser trennen sollten, sondern die Relation zwischen Singlefrauen und meiner Wenigkeit. Warum haben viele Frauen Angst vorm Singlemarkt und warum habe ich absolut keine Lust auf 1. Dates und warum um Himmelswillen verwechseln die meisten Menschen Nettigkeit und eine offene, extrovertierte Art mit Flirten? Unsere Gesellschaft wird, dank der Digitalisierung immer oberflächlicher, unnatürliche Schönheitsideale werden via Social Media geboren und eine absolute sexuelle Reizüberflutung steuert unsere Generation. Neben schwanzgesteuerten Primaten-Männern und möchtegern-emanzipierten Frauen, die von Bett zu Bett hüpfen, ist es schwer geworden die Nadel im Heuhaufen zu finden. Früher waren die gesellschaftlichen Ansichten zum Thema Liebe und Dates noch viel ähnlicher als jetzt. Heute geht es fast ausschließlich um Sex. Natürlich ist das ein sehr wichtiges Thema und ich bin der Meinung, dass es da mit am meisten harmonieren muss – aber um ernsthaft und langfristig mit einer Frau etwas aufzubauen, nützen mir die Körbchengröße und die sexuellen Vorlieben recht wenig. Intelligenz, Weltansicht, Erziehung, Bodenständigkeit, Lebensziele, Familie, Loyalität, Offenheit und ganz wichtig Humor sind da für mich nur ein paar essentiellere Themen beim Dating. Um aber mit einem Menschen über solche Themen sprechen zu können, muss man hinter die Kulissen schauen. Dank der meist direkten Proportionalität zwischen der Dicke der emotionalen Schutzmauer und der Dicke des Make-Ups der Frau, ist es fast unmöglich bei ersten Dates tiefsinnige Gespräche zu führen bzw. wahre Persönlichkeiten kennen zu lernen und genau da liegt das Problem. Wir sind abgestumpft und regen uns über die Oberflächlichkeit der Gesellschaft auf, aber sind selbst bei den ersten Dates so oberflächlich, um möglichst nicht zu viel preiszugeben und uns evtl. verletzbar zu machen. An diesem Punkt unterscheide ich mich wohl von vielen Männern da Draußen. Ich persönlich möchte mit einer offenen, direkten und ehrlichen Art das Problem umgehen. Eine Frau weiß woran sie ist und kann entweder damit umgehen oder nicht. Diese natürliche Selektion von Menschen erspart mir sehr viel Zeit der Hoffnung, des Spekulierens oder des Vermutens, bezüglich des Interesses der Angebeteten. Kurzum: Wenn eine Frau Interesse hat, kommt sie mit dieser direkten, humorvollen Art von mir klar, wenn nicht, dann nicht!

An sich klingt das auch nach einem gut durchdachten Plan als Wunderformel für die Liebe und die Theorie ist phänomenal, aber leider sieht die Realität anders aus. Frauen, die mich interessieren, wissen nicht mal das es mich gibt, lernen mich nie so kennen oder sind vergeben, andere Frauen wollen etwas von mir ohne das ich es überhaupt weiß und wiederum andere haben Interesse obwohl man nur befreundet ist. Diese Parameter machen alles so kompliziert und die Liebe nicht berechenbar. Es ist eher selten, dass man sich auf gleicher Interessenbasis kennen lernt, noch seltener, dass man offen für etwas Neues ist und fast unmöglich dann jemand zu finden, der den eigenen äußerlichen, charakterlichen und sexuellen Kriterien entspricht bzw. diese mit den Ansprüchen des Gegenübers konformgehen. Ergebnis: Niveauvolles Dating ist fast unmöglich in der heutigen Zeit und auch ich habe bis dato noch keinen passenden Deckel für mich, Gurkenglas, gefunden. Um den ewigen schnulzigen Roman mal abzuschließen, falls eh einer bis hier her gelesen hat, appellier ich nur an meine Generation da draußen:

Habt keine Angst vor Veränderung, geht in euch und versucht ohne fremde Beeinflussung herauszufinden, was ihr wirklich wollt. Egal ob emotional, privat allgemein oder beruflich. Wenn ihr lernt das genau für euch zu definieren, merkt ihr schnell welche Menschen in eurem Umfeld euch bei diesen Dingen unterstützen oder eher ausbremsen. Seid dann konsequent und grenzt falsche Freunde, Beziehungspartner und Bekannte aus eurem Leben raus, um selbst zu wachsen. Es ist euer kleines Leben und das lebt ihr für euch, nicht für andere. Ihr dürft nur keine Angst haben auszubrechen und etwas zu verändern. Seid glücklich und bleibt euch treu, anstatt euch zu verstellen und zu verbiegen für Freunde und Partner. Schlussendlich möchte ich euch nur einen kleinen Denkanstoß geben, sodass ihr Mut fasst neue Wege zu gehen und anderen Menschen eine Chance zu geben:

„Wie könnt ihr in eurem bisherigen Leben etwas vermissen oder sehnsüchtig brauchen, was ihr noch nie zuvor von jemanden bekommen oder erfahren habt?“

 

8 thoughts on “Dating 2.0 | Das Paradoxon Liebe im 21. Jahrhundert

  1. Schöner Text! Noch interessanterer Inhalt!
    Ich hoffe auch du Gurkenglas findest den passenden Deckel ^^ irgendwann kommt hoffentlich auch die richtige für dich und die wird das dann sicherlich genauso sehen. Aber hey, der Text hat mich in meiner Meinung zu einer Situation nochmals bestärkt, danke dafür

    1. Ach ich denke da draußen wird es noch eine Frau geben, die eine solche Einstellung zu schätzen weiß und mich versteht.Ich bin da zuversichtlich. Aber es freut mich, wenn ich dir bei einem deiner Probleme helfen bzw. dir die Augen öffnen konnte!

      Liebe Grüße

  2. Also ich finde, du hast es in dem Post sehr genau auf den Punkt gebracht, viele Leute verstellen sich um dem Partner zu gefallen, vielleicht einfach nur aus Faulheit oder auch aus Gewohnheit, um nicht mit dem Partner abschließen zu müssen und wieder alleine da zu stehen. Sehr gut geschrieben!

    1. Genau so sieht die traurige Wahrheit aus, aber die Menschen müssten mehr Mut haben ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich selbst zu verwirklichen, egal ob im Beruflichen oder im Privaten! 🙂

  3. Diese Thema ist so unglaublich undurchsichtig und jeder interpretiert Liebe anders. Ich selber bin seit kurzer Zeit aus meiner bisher längsten Beziehung raus und hatte bis zur mehr oder weniger plötzlichen Trennung gedacht, ich hätte IHN gefunden. Nun weiß ich, dass ich mir mindestens ein Jahr nur etwas vorgemacht habe. Wie du schon richtig geschrieben hast, wollte ich mich nicht wieder auf ins Single Leben stürzen, da ich teilweise Angst davor hatte bzw. immer noch habe und es für mich einfach unkomplizierter war, mit ihm zusammen zu bleiben. Warum haben viele Frauen Angst auf dem Single Markt? Ganz einfach: es gibt da draußen kaum noch Männer die in irgendeiner Art und Weise Anstand haben, die wissen wie man mit einer Frau umgeht und die ebenfalls nicht schon von Bett zu Bett gesprungen sind, sodass sie inzwischen flächendeckend WLAN in Dresden haben! Ich persönlich hab Angst vor dieser Enttäuschung und will nicht eine seiner Trophäen sein. Ergo: ich lass es lieber direkt und hoffe auf ein Wunder, dass Mr. Right mich aus Versehen mit dem Einkaufswagen anfährt oder mir sein Drink übers Shirt kippt.

    Fakt ist jedoch, dass die Optik eine ultra große Rolle spielt. Kaum einer fängt ein Gespräch mit jemandem an, der ihm / ihr optisch nicht zusagt. Da kann alles anderes, was man sich so wünscht auch passen. Da sind wir halt einfach zu oberflächlich!

    Man versucht sich die Suche nach dem richtigen Partner über diverse Dating Apps zu vereinfachen, aber wir wissen alle, dass es absoluter Bullshit ist. Man findet dort auf jeden Fall immer was für einen One Night Stand und wer auf sowas steht, bitte sehr – Feuer frei! Jaa ich bin auch auf einer Dating Plattform angemeldet, aber so dumm wie es klingt: nur um mein Ego zu pushen und grade nach meiner fast 3 jährigem Abstinenz vom Single Markt zu schauen, wie die Männer so drauf sind. Kreativ beim Schreiben sind sie auf jeden Fall nicht mehr…

    Zusammenfassend kann ich nur sagen: Liebe ist das größte Arschloch was ich kenne! Es liegt an jedem selbst, wie man mit diesem Arschloch umgeht und was man daraus macht. Alles ist änderbar, wenn man es will!

    Sorry so lange sollte der Kommi nicht werden aber du weißt, darüber kann man Stunden philosophieren. Schönen Sonntag noch und viel Spaß in München ?

    1. Vielen vielen Dank für diese ausführliche Antwort!
      Es ist schön zu hören, dass meine Sichtweise keine Einbahnstraße aus männlicher Sicht ist, sondern mich auch Frauen verstehen! Ich gebe dir wirklich recht und den Bezeichnung von Liebe als Arschloch ist wirklich genial und trifft ja leider Gottes zu. Im positiven, wie im negativen Sinne.

      Danke dir, München ist der Hammer.

  4. Du hast den Nagel auf dem Kopf getroffen!

    Ich selbst zähl mich zu den sehr sehr offenen Menschen und kann nachvollziehen was du meinst, damit kommen viele nicht klar fühlen sich “angegriffen“ das kennt man glaube nur als Mann zumindest is mir noch keine Frau auf dem Schlips getreten es genaue Gegenteil is der Fall heutzutage sind alle in sich gekehrt ABER auf Instagram/Facebook/Tumble/Snapchat und was weiß ich noch können sie sich präsentieren wundern sich aber dann das fast alle Männer die nicht nachdenken ihnen zu nahe kommen nicht mehr hinter die Fassade schauen oder sie nur als Trophäe wollen was ich traurig finde. So ensteht ebend dieses typischen “alle Männer sind gleich“ “alle Frauen sind gleich“ Ding.

    Liebe isn 2 Schneidigesschwert man schneidet sich daran immer die Finger.

    1. Mit deinem Kommentar hast du ja auch noch mal ein wichtigen Zusatzpunkt angesprochen. Liebe vs. Social Media, da könnte ich glaube auch einen extra Blogpost schreiben, denn du hast Recht, im Netz zeigt man sich offen, sexy und direkt. In Wirklichkeit ist die Frau dann aber eher unsicher, schüchtern oder gar unerfahren und ist überfordert mit Männern die dann zu direkt sind. Wobei ich aber die Männer missachte, die Frauen dann als Trophäe sehen. Aber dieses Thema zwischen Mann und Frau, ist wie zwischen Gut und Böse, Hell und Dunkel. Es wird immer Gegensätze und Vorurteile geben. Gut ist es aber allemal, dass es Menschen wie dich gibt, die das Problem erkannt haben und anders sind! Weiter so! 🙂

      LG Philipp

      PS: Guter Spruch am Ende!

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